Wochenausblick: PMI-Flut zeigt wirtschaftliche Gesundheit der USA, EU und Großbritanniens

Die großen Daten-Veröffentlichungen kommen diese Woche in Form von Flash-PMIs für die USA, die EU und Großbritannien. Weitergreifende Trends haben die Produktion dieser Volkswirtschaften beeinflusst und das wird bis September vermutlich so weiter gehen. Uns erwartet außerdem der jüngste Zinsbericht der RBNZ nach dem Zinsanstieg im Oktober. Erwartet uns ein weiterer?

Flut von weltweiten PMIs gibt den wirtschaftlichen Ton an

Es ist die Zeit des Monats, in der sich die Märkte auf eine Flut von PMI-Berichten vorbereiten. Am Dienstag erscheinen die jüngsten wirtschaftlichen Output-Daten für die EU, unter anderem auch Deutschland und Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten.

Wir erwarten ähnliche Themen wie in der Phase der wirtschaftlichen Erholung: Verlangsamung des Wachstums; Probleme in den Lieferketten; COVID-Fälle belasten den Fortschritt; Inflation wird immer bedrohlicher.

Lassen Sie uns mit einem Blick auf die EU beginnen. Die Zahlen für Oktober zeigen das diese drei großen Faktoren weiterhin das Wachstum hemmen. Das produzierende Gewerbe ist nach 58,6 im September diesen Monat mit einem Wert von 58,3 auf ein Acht-Monats-Tief gesunken.

Dienstleistungen in der EU zeichnen ein ähnliches Bild. Der PMI-Index für den Dienstleistungsbereich fiel im Oktober von 56,4 auf 54,6, ein Sechs-Monats-Tief. Der Abfall im Produktions- und Dienstleistungssektor drückten den Verbundsindex von 56,2 im September auf 54,2.

Das ist ein ganz schöner Fall. Die EU hat immer noch kein negativ Wachstum zu befürchten, aber mit steigenden Input-Preisen und einem zunehmenden Mangel an Fahrern für Speditionen könnte es für die Europa eng werden. Außerdem ist die Inflation in Spanien, Frankreich und Deutschland gestiegen. Der Autor geht von weiteren Abnahmen des Outputs aus und sieht jegliches Wachstum als wahrscheinliche Anomalie.

Auf der anderen Seite des Ärmelkanals in Großbritannien sieht die Situation etwas besser aus. Der Verbundswert für Oktober stieg von 54,9 auf 57,8. Das ist der höchste zusammengesetzte Wert für Großbritannien seit Juni.

Dienstleistungen wuchsen im Oktober beachtlich: Der Index steht jetzt bei 59,1 im Vergleich zu 55,4 im Vormonat. Die Lockerung der COVID-19-Testanforderungen und Quarantänebestimmungen für Auslandsreisen half den Index in die Höhe zu treiben.

Das produzierende Gewerbe hat es nicht so gut getroffen. Das Wachstum in dem Bereich liegt auf dem niedrigsten Stand seit acht Monaten mit einem Wert von 51,3. Die Kombination aus in die Höhe schießenden Input-Kosten und logistischen Engpässen hat dem Fabrik-Output in Großbritannien diesen Monat zu schaffen gemacht.

Während das Rating insgesamt die PMIs für Großbritannien auf einem Wachstumspfad sieht, könnte das alles nur vorübergehender Natur sein. Die VPI-Inflation erreichte im Oktober 4,2% und schoss damit weit über das 2%-Ziel der Bank of England hinaus. Das könnte es sein, was die Bank of England endlich zum Handeln bewegt und sie im Dezember den Zins nach oben schrauben lässt. Die Märkte dachten, dass dies schon beim November-Treffen der Fall sein könnte, vor allem wegen des Falken Gouverneur Andrew Bailey, es ist aber nichts geworden. Da wird was passieren müssen.

Auf der anderen Seite des Atlantiks scheinen die jüngsten PMI-Zahlen für die USA auf einen Rückgang des produzierenden Gewerbes hinzudeuten, währende der Dienstleistungsbereich im Oktober gestiegen ist.

Sie haben wahrscheinlich schon genug davon, es zu lesen, aber die USA sind vor dem Input- und Kostendruck, der die EU und Großbritannien belastet, auch nicht immun. Hohe Produktionskosten hemmen den Fabrik-Output. Der IHS Markit-Wert für Oktober liegt bei 58,4 gegenüber erwarteten 59,2.

Dagegen wirkte ein Schub im Dienstleistungsbereich, der durch abnehmenden COVID-19-Fälle begünstigt wurde. Der finale U.S.- Services Purchasing Managers’ Index, der von IHS Markit erstellt wird, stieg im Oktober auf 58,7 von 54,9 im September. Wall Street hatte Wachstum im Dienstleistungsbereich bei 58,6 gesehen.

„Nachdem die Delta-Variante im dritten Quartal zu einer Verlangsamung des Wachstums geführt hatte, folgte auf den Rückgang der Virusfälle eine starke Belebung der Wirtschaftstätigkeit, insbesondere im Dienstleistungssektor, der zum Jahresende voraussichtlich die treibende Kraft der Wirtschaft sein wird“, sagte Chris Williams, Chief Business Economist bei IHS.

Aber die Inflation ist immer noch das Gespenst, das umgeht. Der US-VPI hat mit der letzten Veröffentlichung einen Wert von 6,2% erreicht. Wie auch in Großbritannien wird sich hier etwas tun müssen. Dienstleistungen sind zwar der Motor, der die US-Wirtschaft antreibt, aber wenn die Preise deutlich zu hoch bleiben, könnte dieser Motor anfangen ins Stocken zu geraten und giftige Dämpfe auszustoßen. Ein Rückgang der Produktion ist meine Vorhersage für die US-PMI-Zahlen diese Woche.

Weitere Zins-Anhebungen auf dem Weg für die RBNZ?

Die Reserve Bank of New Zealand war die erste große Zentralbank die im Oktober den Leitzins angehoben hatte.

Nachdem die Zinsen 7 Jahre auf einem historisch-tiefen Niveau gehalten wurden, hat Gouverneur Adrian Orr und das Team bei der RBNZ den Leitzins auf 0,5% erhöht.

Sie sind also gestiegen – aber werden sie bis zum Ende des Jahres noch weiter steigen?

„Der Ausschuss stellte fest, dass im Laufe der Zeit ein weiterer Abbau der geldpolitischen Impulse erwartet wird, wobei zukünftige Schritte von den mittelfristigen Aussichten für Inflation und Beschäftigung abhängen“, sagte die RBNZ nach ihrer Zinserhöhung.

Aber Inflation ist immer noch das große Problem, egal wie entwickelt eine Volkswirtschaft ist. Die jüngsten VPI-Zahlen für Neuseeland erreichten 2,2% im dritten Quartal und übersteigen damit die RBNZ-Prognose von 1,4%.

Die Märkte scheinen für Donnerstag diese Woche einen weiteren Anstieg mit einzupreisen. Eine Bewegung auf 0,75% ist möglicherweise drin. Analysten der Kiwibank zufolge, liegt die Wahrscheinlichkeit eines Anstiegs um einen halben Punkt auf 1% bei 36%.

In der Aussicht für 2022 scheint der Konsens bei 2% bis zum Jahresende zu liegen. „Wir haben das Gefühl das über 3% zur jetzigen Zeit etwas zu viel wäre“, sagten Analysten der Kiwibank. „Wir rechnen damit, dass die RBNZ bei 2% pausieren wird und der eigene Zinssatz der Bank dürfte bei etwa 2,4 % ihren Höchststand erreichen.“

Die RBNZ könnte dementsprechend auf dem Weg zu einem 3%-Zins bis 2024 sein.

In der Finanzwelt gibt es keine Garantien. Um dies zu erkennen, muss man sich nur den Kommunikationsschnipsel zu den restriktiven Zinssignalen der Bank of England ansehen, die bei der Zinsentscheidung im November zu Untätigkeit führten.

Allerdings scheinen die Märkte zuversichtlich zu sein, dass die RBNZ bereit ist die Zinsen diese Woche weiter anzuheben.

PCE-Zahlen bestimmen die Wahrnehmung zur US-Inflation

Die Inflationstrommel schlägt weiter, nachdem der Verbraucherpreisindex der USA vor über einer Woche 6,2% erreicht hatte – aber auch die privaten Konsumausgaben sind diese Woche einen Blick wert. Es ist immerhin die Lieblings-Inflations-Metrik der Fed.

Ich denke, dass wir erwarten können, dass der PCE-Index nur steigen, steigen, steigen wird. Der große Anstieg der Inputkosten von Produzenten und Dienstleistungsunternehmen wird zwangsläufig an den Verbraucher weitergegeben werden. Die Ausgaben pro Haushalt werden definitiv steigen, weil die Preise steigen werden.

Das haben wir bereits in früheren PCE-Veröffentlichungen gesehen. Verbraucher-Ausgaben waren zum Beispiel im Oktober um 0,6% gestiegen. Der Kern-PCE-Index stieg 0,2% im Vergleich zum Vormonat. Auf Jahresbasis ist der Personal Consumption Expenditure Index um 3,6% gestiegen.

Die Preise steigen also, aber es gibt auch gute Neuigkeiten: die Gehälter steigen ebenfalls. Löhne waren im dritten Quartal um 1,5% gestiegen, sodass einige Amerikaner etwas mehr Geld mit nachhause bringen dürften.

Das Gehaltswachstum liegt aber dennoch unter dem Inflationsniveau.

Wie bereits erwähnt ist das die Lieblings-Inflations-Metrik der Fed. Vielleicht wird ein weiterer hoher Wert einen Zinsanstieg zusammen mit einer Rücknahme der QU im November erzwingen.

FOMC-Sitzungsprotokolle für November bieten Einblicke ins Denken der Fed

Die Sitzungsprotokolle der FOMC werden von Investoren und Ökonomen wie immer heiß erwartet.

Das Protokoll für das Fed-Treffen im November wird am Mittwoch dieser Woche veröffentlicht und könnte dem Markt viel darüber sagen, wie besorgt die politischen Entscheidungsträger über die Inflation sind und wie nahe der Arbeitsmarkt ihrer Meinung nach ist, die Hürde zu nehmen, die für eine Zinserhöhung erforderlich ist.

Die großen Gesprächsthemen kennen wir bereits von der November-Sitzung – vor allem die Entscheidung, die Anleihekäufe zu reduzieren, aber es ist immer gut, der US-Notenbank auf den Zahn zu fühlen, vor allem wenn es um Spannungen zwischen Falken und Tauben bei der Fed geht.

Die Rücknahme des Anleihenkaufprogamms der Fed war die echte Neuigkeit aus den Gesprächen diesen Monat. Die Rücknahme wird im 15 Milliarden-USD-pro-Monat-Bereich liegen, mit der Implikation, dass das gesamte QE-Programm bis Mitte 2022 erledigt ist.

Aber Vorsitzender Jerome Powell hatte Erzählungen zum Zinsanstieg schnell zurückgewiesen. Er sagte, die Bank könne es sich leisten, geduldig zu sein, während der Arbeitsmarkt noch immer schwach und die Inflation nur vorübergehend sei und dass aus der Entscheidung, den Anleihekauf zu reduzieren, „kein klares Signal“ abgeleitet werden könne.

Die Zentralbank sagte weiter, dass „deutlicher Fortschritt“ erzielt worden ist, was die Preisinflation angeht, aber das scheint tatsächlich nicht der Fall zu sein. Natürlich nur, wenn Fortschritt höhere Preise bedeutet. Dennoch hängt die Fed an der Idee, dass die hohen Preise wieder verschwinden werden und sich die Inflation bis Mitte nächsten Jahres erledigt hat.

Deshalb sind die FOMC-Sitzungsprotokolle wichtig. Wir können die Gedanken hinter der Bekanntgabe der Bank erkennen.

Top Wirtschafts-Daten

Date  Time (GMT)  Asset  Event 
Tue 23-Nov  8:15am  EUR  French Flash Manufacturing PMI 
  8:15am  EUR  French Flash Services PMI 
  8:30am  EUR  German Flash Manufacturing PMI 
  8:30am  EUR  German Flash Services PMI 
  9:00am  EUR  Flash Manufacturing PMI 
  9:00am  EUR  Flash Services PMI 
  9:30am  GBP  Flash Manufacturing PMI 
  9:30am  GBP  Flash Services PMI 
  2:45pm  USD  Flash Manufacturing PMI 
  2:45pm  USD  Flash Services PMI 
       
Wed 24-Nov  1:00am  NZD  Official Cash Rate 
  1:00am  NZD  RBNZ Monetary Policy Statement 
  1:00am  NZD  RBNZ Rate Statement 
  2:00am  NZD  RBNZ Press Conference 
  9:00am  EUR  German ifo Business Climate 
  Tentative  GBP  Autumn Forecast Statement 
  1:30pm  USD  Prelim GDP q/q 
  1:30pm  USD  Core Durable Goods Orders m/m 
  1:30pm  USD  Durable Goods Orders m/m 
  1:30pm  USD  Unemployment Claims 
  3:00pm  USD  Core PCE Price Index m/m 
  3:00pm  USD  Revised UoM Consumer Sentiment 
  3:30pm  USD  Crude Oil Inventories 
  7:00pm  USD  FOMC Meeting Minutes 

 

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